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Trends in der Unternehmensberatung 2011


Während das Jahr 2009 noch geprägt war von rückläufigen Umsätzen der Unternehmen, die im weitesten Sinne in der Unternehmensberatung tätig sind, konnte im Jahr 2010 bereits wieder ein leichter Anstieg der Umsätze verzeichnet werden. Die endgültigen Zahlen sind noch nicht ermittelt, man geht jedoch davon aus, daß 2010 eine Umsatzsteigerung von ca. 5 % gegenüber 2009 erzielt werden konnte. Richtet man den Blick in die Zukunft, stellt sich natürlich die Frage, welchen Entwicklungen sowohl in gesamtwirtschaftlicher Hinsicht wie auch branchenspezifisch die Berater sich stellen müssen. Dies vorausgeschickt, sollen nachstehend einige Trends in der Unternehmensberatung für das Jahr 2011 beschrieben werden.

Trend eins: Spezialisierung

Vor dem Hintergrund des sich noch nicht endgültig stabilisierten wirtschaftlichen Aufschwungs, sind zahlreiche Unternehmen noch sehr zurückhaltend, wenn es darum geht, Unternehmensberater zu beauftragen. Dieses hat zur Folge, dass nicht nur in immer stärkerem Maße intensive Verhandlungen über die Honorarhöhe geführt werden, sondern dass der Kunde primär Berater beauftragt, deren Spezialwissen ihm in einem klar umrissenen Bereich auch kurzfristig erkennbaren Nutzen stiftet. Hieraus ergeben sich gerade für kleine und mittlere Beratungsunternehmen Chancen.

Verstärkte Nachfrage ist erkennbar in den Segmenten Prozessmanagement und IT, Change Management und Reorganisation (die Nachfrage nach Restrukturierungsleistungen geht - bedingt durch die wirtschaftliche Entwicklung - derzeit leicht zurück) sowie Nachhaltigkeit. Insbesondere bei Dienstleistungsunternehmen der Immobilienbranche sind diese Trends klar erkennbar.

Trend zwei: Verlagerung der Beauftragung in die Einkaufsabteilungen

In den vergangenen Jahren begann eine Entwicklung, deren Verlauf sich in der letzten Zeit deutlich verstärkt hat: Während früher die Beauftragung von Unternehmensberatungsleistungen durch die Tochtergesellschaften, Fachabteilungen oder die Geschäftsleitung direkt erfolgte, sehen sich Berater jetzt vielfach bestens ausgebildeten und erfahrenen Einkäufern aus den entsprechenden Einkaufsabteilungen der Unternehmen gegenüber. Hiermit will der Kunde in der Regel zweierlei erreichen. Auf der einen Seite sehen gerade Großunternehmen diese Abteilung als prädestiniert dafür an, in Zusammenarbeit mit den jeweils betroffenen operativen Einheiten Ausschreibungen für die Erbringung von Unternehmensberatungsleistungen zu erstellen und die eingehenden Angebote zu verhandeln, auf der anderen Seite soll hierdurch vermieden werden, dass die Beschaffung von Unternehmensberatungsleistungen prozessual von der Beschaffung anderer (Dienst-) Leistungen abweicht - eine Frage der unternehmerischen Compliance.

Dieser Trend hat die Immobilienbranche noch nicht vollständig erfaßt; die Gründe hierfür sehen wir in der relativ großen Anzahl kleiner und mittlerer Unternehmen, die keine eigene Einkaufsabteilung haben.

Trend drei: Senior Consulting

Das klassische Bild der Unternehmensberatung ist geprägt von einem Projektaufbau, in dem ein erfahrener Partner die Gesamtverantwortung für das Engagement trägt und die eigentlichen Leistungen von mehr oder weniger erfahrenen Mitarbeitern verschiedener Hierarchiestufen erbracht wurden. Hieraus ergab sich, dass der Partner, der nicht nur die Leitung, sondern auch die Qualitätssicherung innehatte, relativ wenig direktes Projektwissen besaß und sich primär durch die eigenen Mitarbeiter informieren ließ. Erkennbar ist derzeit ein Trend, in dem Mandanten das persönliche Involvement gerade der erfahrenen Partner fordern und verstärkt strukturelle und strategische Beratung bei diesen abrufen. Hier werden dann keine umfangreichen Präsentationen erstellt, sondern es agiert der Partner Seite an Seite mit Geschäftsführung oder Vorstand.

Von Vorteil sind auch hier kleine und mittlere Beratungsgesellschaften, die es gewohnt sind, durch den Inhaber oder eine kleine Handvoll erfahrener Experten direkt beim und für den Kunden tätig zu sein. Hierdurch ausgelöst entwickeln sich verstärkt Beratungsunternehmen, in denen Experten mit zwanzig, dreißig und mehr Jahren Berufserfahrung bei gleichzeitigem akademischem Hintergrund zusammenfinden - diese werden von Mandanten quer durch alle Unternehmensgrößen verstärkt nachgefragt. Interessanterweise ist im Hinblick auf diesen Trend die Immobilienbranche ein absoluter Vorreiter; die Begründung hierfür liegt wiederum in der eher mittelständisch geprägten Struktur der Branche.

Trend vier: Unternehmensberatung wird „grün"

In allen Wirtschaftsbranchen treten zunehmend „grüne" Fragestellungen auf die Tagesordnung: Nachhaltigkeit, Energieeffizienz, Umweltschutz u. dgl.. Dieses ist gleichfalls in der Beratung von Immobilienunternehmen erkennbar. Hier geht es natürlich speziell um die Zertifizierung von Gebäuden nach einem vorgegebenen Standard (DGNB, Leed etc.). In der Folge wirkt sich dies aber beispielsweise auch auf Investoren aus: Während bereits die ersten geschlossenen „grünen" Immobilienfonds auf den Markt kommen, denken und arbeiten größere Immobilienunternehmen bereits an unternehmensbezogenen Öko-und Umweltbilanzen.

 

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass zumindest einige Trends ihren Ursprung in der wirtschaftlichen Situation der Vergangenheit haben, während andere einen klare Ausrichtung in die Zukunft zeigen. Die Immobilienbranche funktioniert sicherlich an vielen Stellen noch anders als andere Branchen - die weiter zunehmende Professionalisierung auf Unternehmensebene ist ohne Frage eine positive Entwicklung, jedoch gleichzeitig auch weiterhin dringendes Erfordernis.

 

Der Autor ist zertifizierter Restrukturierungsmanager (GSO) und Chartered Surveyor. Er ist Managing Partner der Patjens + Cie. Consultancy Investment KG in Frankfurt am Main, Deutschland.

eMail: post@pcci.de.

Copyright © Dietmar Patjens, 2011

Stand: 11. Januar 2011

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